10 Jahre Bürger-ENERGIE eG

am 22.11.2021 ist unsere Genossenschaft 10 Jahre alt geworden.

10 Jahre Bürger-Energie Großeicholzheim eG

„Aus einem zarten Pflänzchen wurde dank guter Pflege inzwischen ein stattliches Gewächs mit stabilen Wurzeln und starkem Geäst“. Die Bürger-Energie Großeicholzheim eG, am 22.11.2011 als Idee für den Bau und Betrieb eines Nahwärmenetzes gegründet, feierte im Rahmen der Generalversammlung in der Schloßgartenhalle Geburtstag. Zu Beginn der Planungsphase klangen diese Idee als exotisch und so musste viel Überzeugungsarbeit geleistet werden, um daneben auch den genossenschaftlichen Gedanken in die Köpfe der Bevölkerung zu bringen. Doch wie die Zahlen von Reinhold Rapp bewiesen (s. oben), hat sich die Überzeugungsarbeit gelohnt.

Bürgermeister Thomas Ludwig als engagierter Verfechter der Anlage und Vorsitzender des Aufsichtsrates führte hierzu aus: „Man weiß ja, dass sich Großeicholzheim mit seiner Einwohnerschaft schon von jeher durch einen besonders großen Bürgersinn auszeichnet und dass der Zusammenhalt schon immer sehr groß war. Wenn jemand mit einer pfiffigen Idee auftaucht, ist der Tatendurst schnell geweckt“. Unter dem Aspekt „Vertrauen“ hatten viele Menschen im Jahre 2011 die Idee verinnerlicht, dass der Bau eines Nahwärmenetzes die richtige Zukunftsentscheidung ist und so konnte dieses Werk begonnen und zu seiner heutigen Blüte geführt werden. Der Zweck einer Genossenschaft bestehe nämlich gerade nicht darin, die Vermögen jener Teilhaber zu mehren, die eh schon viel haben, sondern es gehe einzig und allein darum, durch einen gemeinschaftlichen Geschäftsbetrieb die sozialen, kulturellen und wirtschaftlichen Belange aller Mitglieder zu fördern, so der Bürgermeister.

Die Idee einer regionalen Wertschöpfung mündete also dahin, die ansonsten weitgehend ungenutzt gebliebene Abwärme der Biogas-Anlage in der Bannholzsiedlung zur Versorgung von Privathaushalten, Betrieben und öffentlichen Einrichtungen in Großeicholzheim mit Wärme für Heizung und Warmwasser zu nutzen. Somit konnte eine weitgehende Unabhängigkeit von fossilen Brennstoffen erreicht werden, was durch die aktuellen weltpolitischen Ereignisse noch wichtiger werde, sagte Ludwig weiter. Er erinnerte auch an die an der Gründung beteiligten Personen aus der Bürgerschaft, der Kommune, den Firmen sowie den Behörden bis hin zur Landesregierung, die sich zusammen mit der Sparkasse Neckar-Odenwald und der Volksbank Mosbach sehr stark engagiert hatten. Einen ganz wichtigen Part spielte und spielt auch die Biogas Seckach GmbH mit ihrem Geschäftsführer Reiner Wetterauer, die als Wärmelieferant nicht nur in betrieblicher Hinsicht der wichtigste Partner der Genossenschaft ist. Vielmehr stammte von ihr auch das Startkapital, mit welchem die Genossenschaft schon während ihrer Gründungsphase die ersten technischen Voruntersuchungen in Auftrag geben konnte.

Ein besonderer Dank des Aufsichtsratsvorsitzenden galt namens aller Mitglieder den drei Vorständen Roland Bangert, Roman Henn und Reinhold Rapp für ihre wertvolle Arbeit. Es sei keine Selbstverständlichkeit, dass sie sich nun schon seit über 10 Jahren in den Dienst der guten Sache stellen. Sie tragen zuverlässig Verantwortung gegenüber den Mitgliedern, die sich auf eine stete Wärmelieferung rund um die Uhr verlassen können, aber auch an die Verantwortung für das wirtschaftliche Wohl der Genossenschaft sowie die Pflicht, gegenüber den Geschäftspartnern, dem Genossenschaftsverband und den finanzierenden Banken jederzeit Rechenschaft abzulegen, erinnerte Ludwig. Als kleines Dankeschön überreichte er den drei Vorständen je ein Präsent.

Hochwertig bereichert wurde die Feierstunde durch ein Referat von Thomas Karle aus Kupferzell-Füßbach, der im vergangenen Jahr als bester Landwirt für sein Engagement für erneuerbare Energie und nachhaltiges Wirtschaften mit dem Ceres-Award ausgezeichnet wurde. Er berichtete, dass seine Agro-Energie Hohenlohe GmbH& Co. KG seit mittlerweile 20 Jahren eine Biogasanlage betreibt und damit zu den Pionieren dieser Branche gehört. Sie haben es geschafft, dass seine Firma und Füßbach inzwischen auf drei gesunden nachhaltigen Füßen stehen. Denn die fermentierte Biomasse besteht vor allem aus biogenen Reststoffen wie Gemüseresten und Weintraubentrester regionaler Firmen und Genossenschaften sowie aus Mist und Gülle benachbarter Landwirte und aus Grüngut. Das daraus gewonnene Biogas wird zur Strom- und Wärmegewinnung, die anfallende Wärme ganzjährig zu 100 % zur Wärmeversorgung von Füßbach – leider ohne Genossenschaft – sowie zur Trocknung von Getreide und zur Herstellung des Naturdüngers NADU genutzt. Dieser Naturdünger wird ausschließlich aus den Gärprodukten der Biogasanlage hergestellt. Hierfür werden die Gärprodukte nach der Fermentation separiert, getrocknet und anschließend pelletiert. Das dritte Standbein ist ausschließlich für die Füßbacher ins Leben gerufen worden und nennt sich „eFüßle“. Dahinter verbergen sich zwei Elektrofahrzeuge, die relativ einfach und zu sehr günstigen Konditionen von den Füßbachern über das Internet gebucht und genutzt werden können. Das System, so Thomas Karle abschließend, habe sich bewährt und soll weiter ausgebaut werden, z. B. mit Elektro-Seniorenfahrzeugen. Schließlich lud Thomas Karle die Großeicholzheimer ein, sich diese Variante doch einmal vor Ort im Hohenlohischen anzusehen.